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Der Wahlkampf für die Bayerische Landtagswahl steckt gerade in der Hochphase. Am Sonntag entscheidet sich, wer künftig das Sagen hat. Doch wie sieht es mit der Verständlichkeit der Wahlprogramme aus? Sind sie überhaupt zu verstehen? Kommunikationswissenschaftler der Universität Hohenheim haben die Wahlprogramme einem Verständlichkeits-Check unterzogen.

Um die Wahlprogramme überprüfen zu können, hat die Universität Hohenheim einen sogenannten Wahlprogramm-Check entwickelt. Dazu kooperiert sie mit der Ulmer Agentur für Verständlichkeits-Messung H&H Communication Lab. Unter anderem sollen folgende Fragen beantwortet werden:

  • Kommunizieren die Parteien in ihren Wahlprogrammen so verständlich, dass die Wahlberechtigten sie verstehen können?
  • Welche Verständlichkeits-Hürden finden sich in den Wahlprogrammen?
  • Welche Begriffe dominieren in den Programmen?

Die Analysen werden von der Verständlichkeits-Software „TextLab“ unterstützt. Das Programm berechnet dabei verschiedene Lesbarkeitsformeln und Textfaktoren, die für ein gutes Verstehen wichtig sind. Dazu gehören unter anderem Satzlängen, Wortlängen, Schachtelsätze sowie der Anteil abstrakter Wörter.

Aus diesen Parametern setzt sich der „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“ zusammen, der auf einer Skala von 0 – unverständlich – bis 20 – sehr verständlich – abgebildet wird.

Zur leichteren Einordnung: Doktorarbeiten in Politikwissenschaften erreichen eine durchschnittliche Verständlichkeit von 4,3 Punkten. Nachrichten im Hörfunk liegen bei 16,4 Punkten. Beiträge in Zeitungen wie beispielsweise die Frankfurter Allgemeine, Welt, Süddeutsche Zeitung oder taz erreichen eine Punktzahl zwischen 11 und 14.

Denglisch und Monster-Sätze

Der beste Analysewert der Wahlprogramme erzielt 12,8 Punkte. Erreicht hat dieses Ergebnis die CSU, die laut Prof. Dr. Frank Brettschneider, Kommunikationsexperte an der Universität Hohenheim und Leiter der Studie, damit das mit Abstand verständlichste Wahlprogramm vorlegt. „Ein Wert von 12,8 Punkten auf dem Hohenheimer Verständlichkeitsindex kann sich sehen lassen. Bei den anderen Parteien ist hingegen noch viel Luft nach oben. Schlusslicht ist die AfD mit 6,2 Punkten.“
Die Gründe für das schlechte Abschneiden der meisten Parteien liegen vor allem in komplizierten und unverständlichen Fach- und Fremdwörtern, Anglizismen, Denglisch – also die Mischung aus Deutsch und Englisch. Aber auch Satz-Monster mit mehr als 20 Worten sind oft zu finden.

Wer wurde analysiert?

Für die Studie mussten die Wahlprogramme der CSU, SPD, FDP, Bündnis 90/Die Grünen, Die Linke und die AfD herhalten. Die Forscher berücksichtigen Parteien, die entweder im Deutschen Bundestag oder in mindestens drei Landtagen vertreten sind.

Sie fordern alle

Besonders häufig werden in den Wahlprogrammen Begriffe wie „mehr“ verwendet. AfD und FDP „fordern“ oft, die Grünen „schaffen“ und „fördern“. Die CSU will „stärken“, „schaffen“ und „unterstützen“. Allgemein sind Begriffe wie „Menschen“ und „Bayern“ in den meisten Wahlprogrammen zu finden. Bei der AfD, den Linken und der FDP tauchen die Parteinamen besonders häufig auf.

Claudia Thoms, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Universität Hohenheim stellt fest: „Eine Betrachtung der für die Wahlprogramme typischen Adjektive deutet auf die klassischen Themenschwerpunkte der Parteien hin. Während Grüne, Linke und SPD etwas häufiger sozial-, arbeits- und umweltbezogene Adjektive verwenden, stechen bei der AfD solche Adjektive heraus, die einen Bezug zum Thema Kriminalität haben. Die CSU ist sprachlich vor allem ‚visionär‘, bei der FDP finden sich häufig Bezüge zu liberal“.

Seit 2009 untersucht ein Team von Wissenschaftlern des Fachgebiets für Kommunikationswissenschaft, insbesondere Kommunikationstheorie, an der Universität Hohenheim die Verständlichkeit der Wahlprogramme.

Ausführliche Studienergebnisse unter:

Universität-Hohenheim

 

Foto: Pixabay