Das steigende Verkehrsaufkommen in den Städten stellt Paketdienste vor große Herausforderungen. Sie müssen Pakete schnell zum Kunden ausliefern – trotz Stau und versperrten Zufahrtswegen. Deshalb setzen sie zunehmend auf e-Bikes und e-Fahrzeuge.

 63,7 Millionen Fahrzeuge bevölkern in diesem Jahr die Straßen in Deutschland. Das zumindest hat das Kraftfahrzeugamt herausgefunden. Im Vergleich zum Vorjahr ist das eine Steigerung von 1,7 Prozent. Klingt zunächst zwar nach nicht viel, hat aber gerade in den Städten enorme Auswirkungen: Stau und verstopfte Straßen. Nicht nur die Bevölkerung bekommt das zu spüren, sondern auch Paketzustelldienste. Gerade der Weg vom Logistikzentrum am Stadtrand zum Kunden, also die letzte Meile, bereitet den Boten zunehmend Schwierigkeiten.

Online-Shopping-Boom

Aber nicht nur der zunehmende Verkehr ist problematisch, sondern auch die steigende Zahl der Bestellungen. Gerade in den Städten macht sich der Online-Shopping-Boom besonders bemerkbar. Die Unternehmensberatung McKinsey hat errechnet, dass im Jahr 2025 rund fünf Milliarden Pakete pro Jahr in Deutschland verschickt werden. Das ist fast doppelt so viel wie heute. Ein Fünftel davon werden von den Verbrauchern im Internet bestellt und bis zur Haustür geliefert.

Lösung e-Bikes

Paketzusteller suchen deshalb fieberhaft nach Lösungen. Der niederländische Dienst GLS mit Sitz in Amsterdam, hat gerade angekündigt, die Lieferungen in der Oldenburger Innenstadt nun mit vier e-Bikes und einem e-Transporter durchzuführen. Da zum Zuliefergebiet auch die Fußgängerzone gehört, bieten e-Bikes besondere Vorteile. Mit herkömmlichen Transportern ist sie nur bis 10 Uhr befahrbar. Mit den e-Lastenrädern konnte die Lieferzeit dank Sondergenehmigung auf 13 Uhr erweitert werden.

Pakete aus dem e-Fahrzeug

Auch Zusteller Hermes experimentiert mit e-Fahrzeugen und setzt dabei auf das Elektrofahrzeug von Paxster. „Wir möchten das Fahrzeug im Praxistest genauer kennenlernen, besonders das Fahrverhalten im Herbst und Winter ist für uns wichtig“, erklärt Michael Peuker, Projektleiter bei Hermes. „Wir erhoffen uns, dass wir durch ein einfacheres Parken vor der Haustür die Laufdistanz für die Zusteller reduzieren können. Auch dieses Pilotprojekt passt in unser Nachhaltigkeitskonzept „Urban Blue“, mit dem wir vor allem im Bereich City-Logistik emissionsärmer zustellen wollen.“

e-Bikes in der Münchner Innenstadt

UPS dagegen e-radelt bereits seit Ende 2017 in der Münchner Innenstadt. Die Liste der Städte in Deutschland ließe sich noch erweitern, um Frankfurt, Berlin, Hamburg, aber auch um zahlreiche Kleinstädte. Damit steht fest, dass e-Bike ist für Paketzusteller schon fast unverzichtbar geworden – auch wenn sich viele noch im Testbetrieb befinden. Während die Einführung von e-Fahrzeugen im Individualverkehr vor allem am hohen Verkaufspreis scheitern, setzten sich e-Fahrzeuge bei Zustelldiensten offensichtlich immer mehr durch. Die Vorteile liegen auf der Hand: Sie sind wendig und emissionsarm. Ob aber mit ihnen das explodierende Paket-Aufkommen aufgefangen werden kann, bleibt abzuwarten. Fest steht aber: Das e-Bike befindet sich schon jetzt auf Siegeszug.

Foto: GLS

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