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Johannes Berger war 14, als er erstmals in der Schule mit dem Programmieren in Kontakt kam. Damals kaufte er sich ein Buch, um mehr darüber zu lernen. Aber das Buch machte es nicht leicht, in das Thema einzusteigen. Später im Informatikstudium beobachtete er, dass auch viele Studienkollegen Probleme hatten. Die an der Uni angebotenen Kurse waren weit entfernt von praktikabel, erinnert sich Berger. Gleichzeitig verbrachte er viel Zeit in öffentlichen Verkehrsmitteln mit Sozialen Medien. Zeit, die man sinnvoller nutzen könnte, wie er dachte.

Während dem Studium kam er auf die Idee, Programmieren mit einer App zu vermitteln – interaktiv und mit Spaß.  2016 wurde daraus das Start-up Mimo, das er heute gemeinsam mit drei Co-Gründern betreibt.

CEO Johannes Berger im Interview mit Innovation Origins:

Programmieren lernen, App, Mimo
Mimo Team (c) Mimo

Was war das größte Hindernis, das ihr überwinden musstet?

Der Übergang vom Projekt zur Gründung. Wir haben das Projekt ein Jahr lang neben dem Studium betrieben. Dann wollten wir eine Finanzierung bekommen, um keinen Job mehr zu brauchen. Der Prozess war nicht einfach. Wir mussten vollkommen an das Projekt glauben. Mitte 2016 sind wir dann für drei Monate nach Berlin gegangen, um am TechStars Accelerator teilzunehmen. Dort bekamen wir unsere erste Finanzierung und haben kurz darauf gegründet.

Im Gründerteam haben wir Wissen und Erfahrungen aus ganz verschiedenen Bereichen mitgebracht. Entwicklung, Design Betriebswirtschaft, etcetera. Das war am hilfreich. Die Anforderungen an ein Start-up sind divers und wir konnten sie anfangs relativ gut mit unseren eigenen Fähigkeiten erfüllen.

Wie kann man mit eurer App Programmieren lernen?

Unser Konzept basiert auf evidenzbasierter Lehrforschung und im wesentlichen auf einem Vierstufenmodell: introduction, recognition, recall und reproduction. Lernen in kleinen Häppchen funktioniert besser. Das ist erwiesen. Deshalb setzen wir auf sehr kurze Einheiten und steigern Stück für Stück die Anforderungen. Für die Programmierschritte haben wir ein eigenes Konzept entwickelt, in das auch Tests mit Nutzern einfließen. Um unseren Lernansatz weiterzuentwickeln und unser Angebot auszubauen, haben wir im Moment ein internes Team von vier Lehrern.

Ein Punkt, an dem wir gerade ansetzen: Den Nutzern nicht nur Programmieren beibringen, sondern ihnen auch das Gefühl geben, dass sie das schaffen können. In der Nachkriegszeit gab es mehr Frauen als Männer im Bereich Informatik. Noch Anfang der Achtzigerjahre waren fast 40 Prozent der Informatikstudierenden weiblich. Heute sind in Österreich 80 Prozent der Entwickler männlich. Es sind mehr Männer als Frauen, die Lehrunterlagen und Kurse erstellen – und diese wieder an großteils männliche Lernende richten. So wird das zur selbsterfüllenden Prophezeiung. Wir wollen Frauen und Männer gleichermaßen ansprechen und unbewusste Verzerrungen herausbekommen. Programmieren lernen kann für Männer und Frauen sinnvoll sein, weil es einen validen Berufsweg bietet.

Programmieren lernen, App, Mimo
Mimo App (c) Mimo

Was ist euer Geschäftsmodell?

Die App kann gratis über den App Store beziehungsweise Play Store herunter geladen werden. Großteils wird sie von unseren Nutzern gratis angewendet. Zusatzfeatures kosten zehn Euro pro Monat beziehungsweise 60 Euro pro Jahr. Umsätze generieren wir momentan ausschließlich über Abonnements. Deshalb sind wir auf zusätzliche Investments nicht mehr angewiesen.

Was waren die bisher schönsten Momente?

Wenn uns Nutzer schreiben, was sie durch unsere App gelernt haben – und wie sie dadurch ihr Leben dadurch verbessern konnten. Eine Nutzerin hat ein eigenes Start-up aufgemacht und ihr erworbenes Wissen genutzt, um erste Prototypen zu erstellen. Es motiviert uns, zu sehen, dass wir unseren Nutzern nicht nur Programmieren vermitteln, sondern auch eine Fertigkeit, welche das Potenzial hat, ihr Leben zu verändern.

Als österreichisches Start-up – wie kommt es, dass ihr in Amerika so erfolgreich seid?

In Amerika misst man dem Programmieren eine höhere Bedeutung zu als in Europa. 80 Prozent der amerikanischen Studenten sagen, dass Programmieren Teil der Arbeitswelt und des Alltags wird. Sie haben das Potenzial schon erkannt. Das wird in Europa auch noch kommen.

Wäre Amerika dann nicht der bessere Standort?

Ja und nein. Wir richten uns nur an Endverbraucher und das ist von jedem Standort gut möglich. In Forschung und Entwicklung haben wir in Wien Zugriff zu großen Talenten – auch aufgrund der Migration aus Osteuropa. Außerdem sind die Kosten für Mitarbeiter in Österreich geringer. So gesehen macht Wien Sinn.

Programmieren lernen, App, Mimo
Mimo Maskottchen (c) Mimo

Welche Pläne habt ihr mit Mimo?

Wir wollen zur größten Programmierungsplattform werden und viele Menschen erreichen – um ihnen zu zeigen, dass Programmieren lernen auch ganz einfach sein kann; und dass es ein Vorteil ist, digitale Kompetenz zu erwerben.

Was macht eure App besser/anders als existierende Dinge?

Wenn man ein Smartphone besitzt, kann man unsere App jederzeit und überall nutzen und mit einem geringen Zeitaufwand Programmieren lernen. Außerdem kann man unabhängig vom Vorwissen einsteigen. Jeder kann mit uns Programmieren lernen. Das ist auch das Feedback, das wir von unseren Nutzern bekommen.

Hiring?

Momentan sind wir vor allem an Entwicklern interessiert.

Danke für das Gespräch.

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Über den Autor

Author profile picture Hildegard Suntinger ist Schriftstellerin. Sie lebt als freie Journalistin in Wien und schreibt über alle Aspekte der Modeproduktion. Sie interessiert sich für neue Trends in Design, Technologie und Wirtschaft. Sie ist besonders gespannt auf interdisziplinäre Tendenzen zu entdecken und Grenzen zwischen verschiedenen Disziplinen zu verwischen. Das Schlüsselelement ist die Technologie, die alle Lebens- und Arbeitsbereiche verändert.