Im Rahmen eines Besuchs des niederländischen Königspaares mit seiner Majestät König Willem-Alexander und ihrer Majestät Königin Máxima unterzeichneten niederländische und deutsche Wissenschaftler eine Erklärung zur Wissenschaftskooperation im Bereich der Küsten-, Meeres- und Polarforschung. Fokus liegt dabei auf den Themen Klimawandel, Artenvielfalt und Naturschutz. Zuvor hatten niederländische und deutsche Wissenschaftler in einem Symposium diese Themen ausgiebig diskutiert. Dazu Antje Boetius, Direktorin des AWI: „Als Küstenanrainer und international wichtige Akteure in der Meeresforschung stehen beide Länder vor großen Herausforderungen, die der Klimawandel mit sich bringt – für die Wissenschaft wie für die Gesellschaft insgesamt.“ Boetius ergänzt: „So beschäftigen uns der Meeresspiegelanstieg und die Erwärmung und Versauerung der Ozeane sowie die Auswirkungen des Wandels auf das Leben im Meer. Gemeinsam sind wir besonders stark im Verständnis der Rolle des Ozeans und der Polarregionen für die Erde und den Menschen.“

Symposium zu Umwelt- und Klimathemen

An dem Symposium des Alfred Wegener Instituts nahmen insgesamt über 50 Forschende von der Royal Netherlands Organisation for Scientific Research (NWO), der Universität Utrecht, dem Institute for Sea Research (NIOZ), dem MARUM Zentrum für Marine Umweltwissenschaften der Universität Bremen und dem Alfred-Wegener-Institut teil. Während der Veranstaltung diskutierten die Wissenschaftler Themenfelder wie „Wandel in Arktis und Antarktis“, „unsere Küsten“ sowie „der globale Kohlenstoffkreislauf und das Klima“.

AWI-Biogeologe und Organisator des Symposiums Jelle Bijma freut sich über das gelungene deutsch-niederländische Zusammentreffen: „Im Symposium hatten wir die Chance, ‚out-of-the-box‘ zu denken. So trugen wir beispielsweise zusammen, welche Veränderungen wir zukünftig im System Erde erwarten. Dazu gehören Themen wie: Was bedeutet es für die Meeresökosysteme, wie schnell ändert sich der Meeresspiegel und welche Teile des Klimasystems gehen unwiderruflich verloren, wenn die globale Erwärmung ungebremst voranschreitet, sodass wir bis Ende des Jahrhunderts einen Temperaturanstieg von 4-6°C haben?“

Zudem diskutierten die Wissenschaftler die Frage, welche Funktionen im Vergleich dazu erhalten werden könnten, wenn das 2°C-Ziel eingehalten wird oder wir es sogar schaffen, den Anstieg auf 1,5 °C zu begrenzen. Auch wurden die Bekämpfung von Mikroplastik in unserer Umwelt und das Überfischen der Meere sowie die wissenschaftlichen Möglichkeiten, die ein besserer Zugang zur Nordpolregion eröffnen kann, besprochen. Nicht zuletzt betrachteten die Wissenschaftler auch eventuelle politische Auswirkungen, die sich aufgrund von Klima- und Umweltveränderungen ergeben könnten.

Jährlicher Besuch des Königspaares

Das niederländische Königspaar besucht übrigens jedes Jahr ein oder zwei deutsche Bundesländer. Dabei gilt das besondere Augenmerk den Wirtschaftsbeziehungen. Der Besuch in Bremen soll dazu beitragen, die Möglichkeiten für wirtschaftliche Kooperation, auch im internationalen Rahmen, zu erweitern. Die Themenfelder Raumfahrt, Windenergie sowie Polar- und Meeresforschung bieten dafür gute Anknüpfungspunkte.

Der ehemalige deutsche ESA Astronaut Thomas Reiter berichtet dem Königspaar von der Arbeit in der Raumstation ISS ©Airbus

Neben der Wissenschaftskooperation stand auch der Besuch des Airbus Defence & Space Bremen auf dem royalen Programm. Themen waren hier die Bedeutung der Raumfahrttechnologie für die Wissensökonomien beider Länder. So ging es beispielsweise um die gemeinsame Nutzung von Satellitendaten, die bei der Suche nach Lösungen für grenzüberschreitende gesellschaftliche Herausforderungen wie Klimawandel und Luftqualität helfen können. Auch besuchte das Königspaar das europäische Modul der Raumstation ISS. Hier berichtete der ehemalige deutsche Astronaut Thomas Reiter von der Arbeit in der Raumstation.

Majestät König Willem-Alexander und Ihre Majestät Königin Máxima zu Besuch im IWES; von links nach rechts: Institutsleiter Prof. Andreas Reuter, Bremerhavens Stadtverordnetenvorsteherin Brigitte Lückert, OB Melf Grantz, das niederländische Königspaar, Bremens Bürgermeister Carsten Sieling mit seiner Gattin Alexia Sieling ©Martina Buchholz

Deutsche und niederländische Unternehmen gelten übrigens als Vorreiter bei der Entwicklung von kosteneffizienten Off-Shore-Windenergiesystemen für die europäische Energiewende. Grund genug für das Königspaar, das Fraunhofer-Institut für Windenergiesysteme (IWES) in Bremerhaven zu besuchen. Denn das IWES verfügt über eine der größten Testanlagen für Rotorblätter weltweit. Zudem fand hier der deutsch-niederländische Kongress „Market Place: Offshore Wind in the Netherlands and Germany“ statt. Im Rahmen dieser Veranstaltung wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem niederländischen Wind-Network NNOW und dem deutschen Branchennetzwerk WAB e.V. unterzeichnet.