Mit diesem Schreibtrainer könnte der Traum vieler Kinder wahr werden: Statt theoretischem Büffeln soll zukünftig ein intelligenter Stift auf Rechtschreibfehler hinweisen. Dies ist zumindest Teil eines Forschungsziels von Julia Knopf, Professorin für Fachdidaktik Deutsch Primarstufe der Universität des Saarlandes.

„Wir wollen die technologische Basis für ein neues Rechtschreib-Übungskonzept entwickeln und prototypisch erproben“, erklärt Knopf den Hintergrund der spannenden Entwicklungsidee.

Verbundprojekt mit Fraunhofer ISS & Unternehmen

Die Professorin möchte in ihrem Verbundprojekt gemeinsam mit dem Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS in Nürnberg, der Firma Stabilo International GmbH sowie der Kinemic GmbH und dem Forschungsinstitut Bildung Digital (FoBiD) einen Schreibtrainer entwickeln, der Kindern neben der Rechtschreibkorrektur zudem eine gesündere Schreibmotorik sowie eine bessere Schreibökonomie vermittelt.

„Der Stift ist als intelligentes Hilfsmittel gedacht – es soll Kinder dabei unterstützen, den Automationsgrad ihrer Handschrift, ihr Schriftbild und ihre Rechtschreibung selbständig zu verbessern“, erläutert Knopf.

Durch diesen automatisierten Bewegungsablauf beim Schreiben würden, das ist die Hoffnung, die Kinder auch eine leserliche Handschrift entwickeln.

Komplexe Anforderungen

Einen ersten Stift in der Art gibt es schon, wie Jung erklärt:

„Der Stift baut auf dem Ergo- bzw. EduPen der Firma Stabilo auf, der weiterentwickelt und um ein innovatives Übungskonzept erweitert wird.“

Basis für den Schreibtrainer ist demnach ein mit Sensoren ausgestatteter Stift. Während obiges Modell für Lehrkräfte gedacht ist, die mit diesem die Schreib- und Graphomotorik von Kindern messen und fördern können, soll beim aktuellen Stift das Kind direkt Unterstützung erhalten. So wird die Schrift, die ein Grundschüler auf ein Papier bringt, in Echtzeit auf ein Tablet übertragen. Eine Sensorik wertet das Geschriebene aus und weist den Lernenden gegebenenfalls auf Rechtschreibfehler und Korrekturen hin. Doch die Aufgabenstellung ist wesentlich komplexer:

„Ein wichtiger Teil der Studie behandelt die Frage, wann und über welche Methoden die Rückmeldung zur Rechtschreibung erfolgen soll, und wie das didaktische Übungsszenario aussehen soll“, erläutert Knopf.

Aufgabe der Projektpartner ist es, diese technologischen Herausforderungen zu lösen. Entsprechend wird im aktuellen Forschungsvorhaben die Rechtschreibung erfasst, kommentiert und in ein Übungskonzept eingebettet. Dabei geht es nicht darum, allein die Fehler des Kindes zu korrigieren:

„Ziel des Stiftes und der dazugehörigen App ist es, dem Kind eine individuelle Rückmeldung u.a. auf seine Rechtschreibleistung zu geben sowie passende Übungen zur Förderung des Kindes zur Verfügung zu stellen. Innerhalb der Übungen geht es primär um den Erwerb von Strategien zur Herleitung der richtigen Schreibung von Wörtern“, erklärt Jung und sie ergänzt: „Das bedeutet, dass es nicht das Ziel der App und des Stiftes ist, die Fehler des Kindes bloß zu berichtigen. Das Kind soll vielmehr dazu ermächtigt werden, die Strukturen der deutschen Sprache für sich zu nutzen. Außerdem soll die Anwendung nicht den eigentlichen Rechtschreibunterricht ersetzen, sondern als ein weiteres Fördermaterial eingesetzt werden.“

Sobald diese Übungskonzepte für die Rechtschreibung konzipiert sind, sollen sie an verschiedenen Schulen erprobt werden. Dazu Jung:

„Das Forschungsprojekt hat eine Laufzeit von drei Jahren. In dieser Zeit steht die Entwicklung und Erprobung des Prototypen im Vordergrund. Im Anschluss an die Projektlaufzeit kommt der Stift in den Handel.“

Gefördert wird das Verbundprojekt „Schreibtrainer – Handschrift-Training und Schrift-Digitalisierung mittels kontextsensitiver Stifte“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 1,3 Millionen Euro. Und wer weiß, vielleicht werden wir alle eines Tages so einen Stift wie selbstverständlich nutzen, stellt Jung auf die Frage, ob auch eine Anwendung für Erwachsene denkbar sei, in Aussicht:

„Die Kombination von Stift und App wird auf Kinder bis Klassenstufe 6 ausgerichtet sein, was vor allem durch das dahinterliegende Spielkonzept begründet ist. Allerdings ist es grundsätzlich durchaus sinnvoll, über eine Ausweitung nachzudenken.“