Die Liebig-Denkmünze ist eine Auszeichnung, die an den Chemiker Justus von Liebig erinnert und seit 1903 in unregelmäßigen Abständen von der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) an Forscher verliehen wird. In diesem Jahr bekommt Professor Dr. Wolfgang Schnick von der Ludwig-Maximilians-Universität München den Preis für seine bahnbrechenden Arbeiten bei der Synthese anorganischer Materialien mit p-Blockelementen. Mit ihrer Forschung haben Schnick und sein Team über die Fachgrenzen hinaus neue Maßstäbe im Bereich der Leuchtstofftechnologien gesetzt, denn seine Forschungsergebnisse führten unter anderem zu den Hauptkomponenten für warmweiße Hochleistungs-LEDs sowie LED-Lichtquellen in der Automobilindustrie.

Für die Zukunft bedeutet das, dass Leuchtmittel nicht nur heller sondern auch energieeffizienter werden. „Man braucht diese LED-Leuchtstoffe, um aus den blauen LEDs, die diesen Lampen zugrunde liegen, alle anderen Farben herstellen zu können“, erklärt Schnick, der bereits 1997 die höchste deutsche Auszeichnung für Wissenschaftler, den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) bekommen hat. „Wenn Sie eine Schreibtischlampe haben, wollen sie ja nicht, dass die blau leuchtet. Man geht aber von diesen blauen Lampen aus, weil blaues Licht das kurzwelligste und energiereichste Licht ist, das wir im sichtbaren Spektrum haben.“ Nur von energiereichem Licht könne man alle anderen Wellenlängen mit solchen Leuchtstoffen herstellen nicht, andersherum, betont er.

Professor Dr. Wolfgang Schnick

„Deshalb war die Entdeckung der blauen Leuchtdioden durch Shuji Nakamura, der vor einigen Jahren den Physik-Nobelpreis dafür bekommen hat, maßgeblich, um dieses Gebiet voranzutreiben“, so Schnick. „Unsere Leuchtstoffe schaffen es, dass man energieeffizienter wird und gleichzeitig eine sehr viel bessere Farbwiedergabe erreicht. Normalerweise schließen sich diese beiden Anforderungen, die man natürlich immer beide gerne erfüllen möchte, gegenseitig aus. Entweder die Lampen sind sehr energieeffizient und man hat eine nicht so gute Farbwiedergabe oder umgekehrt. Wir konnten zeigen, dass man das mit unseren Verbindungen viel besser erreichen kann als man vorher gehofft hatte.“

Und wie das bei vielen großen Entdeckungen immer wieder der Fall, kam Schnick und seinem Team auch dieses mal Kommissar Zufall zu Hilfe. „Wir haben vor allem synthetisch neue Felder in der Chemie betreten, neue Verbindungsklassen gemacht in p-Blockelement-Verbindungen, vor allem mit Stickstoffnitride. Durch Zufall hat es sich ergeben, dass man die mit Europium dotieren kann und dabei sind extrem effiziente Leuchtstoffe herausgekommen, die heutzutage in sehr vielen LED-Anwendungen Verwendung industrielle Anwendung finden, also in Handys, in Blinkern, in warmweißen Lampen und so weiter.“ Seit fast 17 Jahren gibt es eine Kooperation mit einem großen LED-Hersteller, „der sozusagen unsere Grundlagenwissenschaft in Produkte umsetzt.“

Liebig-Denkmünze hat ganz besondere Bedeutung

Die Liebig-Denkmünze habe für ihn eine ganz besondere Bedeutung, erzählt Schnick. „Natürlich ist der Preis eine tolle Auszeichnung für unser – man kann schon fast sagen – Lebenswerk und für die Arbeit von vielen Doktoranden, die natürlich alle sehr begeistert sind, mal so an die Öffentlichkeit zu kommen“, sagt er. „Die Justus Liebig Gedenkmünze ist für mich auch insofern wichtig, weil Justus Liebig an der Uni München tätig war. Er war der bekannteste deutsche Chemiker bevor der Nobelpreis eingeführt wurde. Sein direkter Nachfolger hier in München [Adolf von Baeyer, Chemie-Nobelpreisträger 1905, Anm. d. Redaktion] hatte den Nobelpreis. Insofern ist das eine tolle Sache. Unsere Chemie baut bei einigen Dingen sogar direkt auf dem auf, was Liebig gemacht hat.“ Das habe allerdings nichts mit den LEDs zu tun, meint Schnick. „Wir machen auch noch andere Grundlagenforschung. LED ist immer nur eine sehr spektakuläre Anwendung, aber das macht nicht unsere gesamte Forschung aus.“

Professor Dr. Wolfgang Schnick wurde 1957 in Hannover geboren, schloss sein Studium der Chemie an der Universität Hannover 1986 mit der Promotion ab. Nach seiner Habilitation in Anorganischer Chemie an der Universität Bonn, trat er 1993 eine Professur für Anorganische Chemie an der Universität Bayreuth an. Seit 1998 ist Schnick Professor für Anorganische Festkörperchemie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Schwerpunkt seiner Forschung ist die anorganische Festkörperchemie und Materialforschung. Dabei entwickelt er komplexe Nitride von Hauptgruppen-Elementen, wie Kohlenstoff, Silizium oder Phosphor, in Kombination mit Alkali- und Erdalkalimetallen, Seltenerdmetallen und/oder Wasserstoff. Für seine grundlegenden wissenschaftlichen Leistungen wurde Schnick unter anderem mit dem Otto-Klung-Preis der Freien Universität Berlin, dem Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Wilhelm-Klemm-Preis der GDCh ausgezeichnet. Darüber hinaus wurde er sowohl in die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften sowie die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina gewählt.

Die Preisverleihung der Liebig-Denkmünze findet am 17. September im Rahmen der GDCh-Festsitzung statt, die vom GDCh-Präsident Dr. Matthias Urmann eröffnet wird. Nach der Verleihung spricht der Preisträger über „Explorative Grundlagenforschung und industrielle Anwendung – Widerspruch oder erstrebenswerte Konsequenz?“.