Zugegeben: Polen ist nicht gerade als grünes EU-Land bekannt. Doch dank des deutschen Energieriesen Innogy könnte sich das bald ändern. Denn die RWE-Tochtergesellschaft startet im April ein Projekt mit 500 BMW i3 in Warschau. Gleichzeitig verdoppelt Innogy auch die Anzahl der Ladestationen in der polnischen Hauptstadt von 30 auf 60 Stück. Zudem verspricht das Unternehmen in den nächsten zwei Jahren, in Zusammenarbeit mit einer polnischen Bank sowie der Warschauer Stadtverwaltung, mehrere hundert weitere hinzuzufügen.

„Als Vorreiter für Elektromobilität treibt Innogy das Thema auch international voran“, so Vorstandsmitglied Martin Herrmann in einer Pressemitteilung und er fügt hinzu: „…Mit diesem richtungsweisenden Projekt machen wir die umweltfreundliche Elektromobilität für alle erlebbar.“ Nach Angaben eines Innogy-Sprechers wird das Projekt zunächst nur in Warschau umgesetzt: „In anderen mitteleuropäischen Ländern haben wir vorerst keine Pläne dieser Größenordnung. Was wir jedoch tun, ist ‒ beispielsweise Unternehmen in der Tschechischen Republik ‒, Konzepte für E-Autos anzubieten.“

Norwegen an der Spitze

Für Polen bedeutet das Projekt Innogy einen enormen Fortschritt in der Elektromobilität. Das Land lag Ende 2018 mit nur 625 lizenzierten Elektroautos im Vergleich mit dem europäischen Umfeld weit zurück. Zwar wird mit den 500 BMW i3s diese Zahl nun auf einen Schlag fast verdoppelt, doch liegt Polen in punkto Elektromobilität in Europa immer noch am unteren Ende der Skala. So waren beispielsweise im Jahre 2018 in Deutschland mehr als 36.000 Elektroautos im Umlauf, in den Niederlanden 24.000 und in Norwegen sogar mehr als 46.000.

10 Prozent elektrisch betriebener Carsharing-Autos in Deutschland

Am Beispiel Deutschland ist zu erkennen, dass durch Carsharing die E-Mobilität angekurbelt werden kann. Immerhin werden rund 10 Prozent der mehr als 20.000 deutschen Gemeinschaftswagen durch E-Motoren als Hybrid oder ganz elektrisch angetrieben. Der Deutsche Carsharing Verband erklärt diesen hohen Prozentsatz damit, dass die 2,46 Millionen Carsharing-Kunden experimentierfreudiger sind als der typische Auto-Besitzer in Deutschland.

In den Niederlanden ist der Anteil der Elektroautos beim Carsharing etwas geringer. Nach den neuesten Zahlen der Organisation CROW-KpVV gab es Anfang 2018 41.000 Gemeinschaftswagen, von denen 6,4 Prozent zur Hälfte als Plug-ins oder ganz elektrisch betrieben waren.

Ladestation bei Aldi mit Innogy-Technologie © Innogy

Innogy bei Infrastruktur vorn

In Bezug auf E-Fahrzeuge ist Innogy in Deutschland nur ein kleiner Akteur. Mit insgesamt 20 Autos ist der Essener Konzern weit von den Marktführern Daimler und BMW ‒ die mit ihrer Fusionskombination Car2Go und Drive Now weltweit 20.000 Fahrzeuge betreiben ‒ entfernt. Doch ist Innogy mit 7500 Ladestationen von denen ca. 3500 privat und etwa 4000 öffentlich sind, Marktführer in der deutschen Infrastruktur.

Die begrenzte Anzahl von öffentlichen Ladestationen wird in der BRD oft als Hindernis für den Durchbruch des Elektroautos angesehen. Ende letzten Jahres verfügte das gesamte Land über insgesamt 16.100 Ladestationen. Es wird erwartet, dass diese Zahl in den kommenden Jahren aufgrund verschiedener neuer Initiativen noch rasant steigen wird.

So bauen zum Beispiel die Supermarktketten Lidl und Aldi in Deutschland eine eigene Ladeinfrastruktur auf. Zudem wartet man gespannt darauf, was Volkswagen mit seiner eigens gegründeten Tochtergesellschaft Elli machen wird. Auch gibt es große Pläne von Weltunternehmen wie Shell ‒ mit der Tochtergesellschaft New Motion ‒, und Charge Point. Letzteres ist ein Start-up, das von großen deutschen Unternehmen wie Siemens, Daimler und BMW unterstützt wird.

Nach Angaben der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) sind diese Initiativen dringend erforderlich. Das Beratungsunternehmen geht davon aus, dass Deutschland bis 2022 die Grenze von einer Million Elektroautos überschreiten wird. Da für je zehn Autos etwa eine Ladestation benötigt wird, bedeutet dies, dass es in drei Jahren etwa 100.000 Ladestationen geben sollte.