Zusammen mit meiner Tochter besuche ich fast jedes Heimspiel von Atlético Madrid. Wir haben zwei feste Plätze direkt hinter dem Tor auf der Nordseite. Es ist ein altmodisches Vergnügen in dieser stimmungsvollen Atmosphäre des Folk-Clubs, wo die mürrische Menge immer einen Kampf fordert. Siege werden intensiv gefeiert. Aber die Fans von Atlético sind auch zum Leiden verurteilt. Wie an diesem Sonntag zu Hause gegen den kleinen Madrider Bruder CD Leganés: 0:0. Schlimmer kann es nicht kommen.

Los colchoneros – die Matratzenverkäufer – spielen nun die dritte Saison in der Wanda Metropolitano. Das Stadion bietet Platz für 68.000 Zuschauer, kann aber in puncto Luxus und Komfort nicht mit anderen modernen Stadien wie der Allianz-Arena in Bayern München (ab 2005), dem Emirates-Stadion in Arsenal (2006) oder dem Mercedes-Benz-Stadion in Atlanta (2017) konkurrieren – hier sichern viertausend Sonnenkollektoren für den Energiebedarf von 23 Heimspielen. Und selbst die teilweise umgebaute Johan-Cruijff-Arena mit ihrem einstmals einzigartigen versenkbaren Dach und zahlreichen Rolltreppen trägt den Bedürfnissen ihrer Fans im Jahr 2020 besser Rechnung. Die Fans von Atlético gehen immer noch die Steintreppe hinauf. Sie würden es gar nicht anders wollen.

LED von Philips

Natürlich verabschiedeten wir uns in Trauer von El Vicente Calderón – dem alten Betonbehälter, der beim Club noch immer beliebt ist. Doch die Fans nahmen ihre neue Heimat mit Stolz in Empfang. Wer hätte sich jemals vorstellen können, dass Atlético Madrid in der technologischsten Arena Spaniens spielt. Vorerst sind Supermächte wie Real Madrid und der FC Barcelona im Nachteil. Obwohl beide Clubs gerade dabei sind, das Santiago Bernabéu und das Camp Nou auf ein noch höheres Niveau zu bringen. In Madrid ist eine 360-Grad-Anzeigetafel geplant, und in Barcelona soll ein 5G-Netz für die weitere Entwicklung des E-Sports genutzt werden. Aber noch ist es nicht so weit.

Das Stadion von Atlético Madrid ist nun das erste in Europa, das zu 100% mit LED-Beleuchtung von Philips ausgestattet ist. Vor allem bei Abendspielen und Popkonzerten ist die Lichtshow im Stadion sehr beeindruckend. Mit einem donnernden Geräusch und rot-weißem Blinken in der Dachkante wird das Basisteam vorgestellt. Das Spektakel findet in der Wanda Metropolitano auf dem beheizten Spielfeld statt, kann aber auch auf den Tribünen auf vier Großleinwänden verfolgt werden. Und wenn man lieber auf dem eigenen Bildschirm zuschauen möchte, kann man einen der 1.600 WiFi-Punkte nutzen.

All diese innovativen technischen Leistungen im Hause Atlético sind brillant, aber ich hätte sie am Sonntag lieber auf dem Feld des Portugiesen João Félix gesehen. Und dann hätte ich mir eine alte und abgenutzte Holz-Anzeigetafel gewünscht, auf der nach neunzig Minuten ein völlig unverdienter 1:0-Sieg erschienen wäre. Im wirklichen Leben blieb es ein sehr hässliches 0:0 in schönem LED-Licht.

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