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Hätte man vor 3 Jahren die damaligen CEOs der deutschen Premiumhersteller zum Thema Elektromobilität befragt, wären die Antworten (mit einer Ausnahme) ziemlich ausweichend wenn nicht gar ablehnend gewesen.

An einen Siegeszug der Elektroautos hätte da wohl keiner bei Audi, BMW, Daimler oder Porsche geglaubt. Einzige Ausnahme war VW Chef Dr. Herbert Diess, der sich frühzeitig zu einem Commitment zugunsten des elektrischen Antriebs hinreissen liess. Vermutlich einer wichtigen Tatsache geschuldet: dem Diesel-Skandal, der seit 2015 schwelte.

Vergangene Woche nun haben sowohl Herbert Diess von VW als auch Oliver Zipse von BMW ihre Roadmaps für die nächsten Jahre vorgestellt. Augenfällig ist die zum Teil radikale Änderung der Ansichten gegenüber dem elektrischen Antrieb.

Nicht ganz so euphorisch

Herbert Diess geht sogar so weit, dass er beim „Power Day“ beschwört: „Die Elektromobilität hat gewonnen.“

Bei BMW in München ist man noch nicht ganz so euphorisch, denn während VW mit der rein elektrischen MEB-Plattform bereits in der Lage ist, durch Skaleneffekte zukünftig günstiger zu produzieren, muss man bei den Bayern eine solche Plattform erst noch kreieren. Zipse hat das Thema bereits angeschnitten und nennt den BMW der Zukunft „die NEUE KLASSE“.

Bei Daimler hingegen scheint man immer noch nicht zu wissen, wo die Reise hingeht. Zwar ist man auch in Stuttgart bereit einzuräumen, dass die Elektromobilität eine sehr wahrscheinliche Zukunft ist, aber irgendwie scheint man daran noch nicht zu glauben. Die bisherigen Bemühungen mit dem Mercedes-Benz EQC und EQA jedenfalls konnten die Early Adopter nur wenig überzeugen. Fakt ist aber: mit Einführung einer rigiden EURO7-Norm lohnt sich die Verbrennerentwicklung immer weniger, weshalb viele OEMs bereits deren Ende verkündet haben.

Allen deutschen OEMs gemeinsam ist aber das Versäumnis, in eine europäische Batterieindustrie frühzeitig zu investieren. Das fällt den Premiumherstellern jetzt sprichwörtlich auf die Füße. Noch vor zwei Jahren hatte das Management der großen Drei (Audi, BMW und Daimler) den Einstieg in eine eigene Batteriefertigung kategorisch abgelehnt. Dabei wäre gerade eine europäische Batteriefertigung aus den verschiedensten Gründen clever gewesen: einmal, weil durch den europäischen Grünstrom der „CO2-Rucksack“ der Stromer dramatisch verkleinert werden kann, einmal, weil die Abhängigkeit von asiatischen Herstellern dadurch verringert würde und schließlich wegen des gigantischen Anteils der Batterie an der Wertschöpfungskette der Elektrofahrzeuge.

Internationaler Wettbewerb

Vom gewonnenen Know-how und technologischen Fortschritten, die in Europa gemacht werden, ganz zu schweigen.

Hat also die deutsche Automobilindustrie den Weckruf endlich vernommen? Es hat den Anschein. Trotzdem steht zu befürchten, dass der internationale Wettbewerb den Deutschen noch großes Kopfzerbrechen machen wird. Chinesische und US-amerikanische Hersteller haben ihre Hausaufgaben bereits vor Jahren gemacht.

Und dann ist da noch das große Problem der Digitalisierung. Aber das ist ein Thema für eine andere Kolumne …

Über diese Kolumne:

In einer wöchentlichen Kolumne, die abwechselnd von Bert Overlack, Eveline van Zeeland, Eugène Franken, Katleen Gabriels und Bernd Maier-Leppla geschrieben wird, versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, gelegentlich ergänzt durch Gast-Blogger, arbeiten alle auf ihre Weise an Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Damit es morgen besser wird. Hier sind alle vorherigen Episoden.

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