Vor zwei Wochen startete wieder der IFA-Zirkus in Berlin und damit die größte Messe für Unterhaltungselektronik in Europa. Die großen globalen Unternehmen kommen laut WEF (Oktober 2018) mit ihren neuesten Innovationen in die Hauptstadt des innovativsten Landes der Welt. Die E-Scooter eilten dorthin, flinke und weniger flinke Leute waren begeistert von Drohnen, Smartphones, Kopfhörern und Smart Home.

Das deutet darauf hin, dass Deutschland ein Paradies für die Entwicklung und Vermarktung von Innovationen ist. Ja, große Global Player wie BMW, MHP, Bosch, Siemens und SAP arbeiten alle zusammen. In Berlin, München, Hamburg und Frankfurt  boomen die Start-ups. Zalando ist ein Global Player, das autonome Fahren wird weiterentwickelt, sharing ist cool, aber gleichzeitig …..

Nicht das, was es scheint

Wie fast immer in Deutschland ist nichts so, wie es scheint. Regierung und Gesellschaft sind sperrig, langsam und Deutschland hinkt vielen innovativen Entwicklungen weltweit hinterher. Siehe Elektromobilität – die meisten europäischen Länder, Norwegen und die Niederlande, liegen vor Deutschland. Die Digitalisierung ist eine schwierige Aufgabe für die Regierung. Die Beschäftigung mit dem urbanen Raum um die Verkehrswende zu ermöglichen? Es ist alles sehr schwierig.

Auf der einen Seite haben sie ein Land mit einer Hauptstadt wie Berlin – voller innovativer Start-ups, ShareNow und WeShare oder zum Beispiel der neuen Berliner Fintech-Bank N26, die komplett digital funktioniert. Auf der anderen Seite sind die Städte immer noch auf Autos fokussiert, in vielen Restaurants und Geschäften kann man nur bar bezahlen, in einigen Banken bezahlt man, wenn man Geld abheben will und Tikkie kennen sie nicht. Siemens kann fast alles, aber die Ampeln in deutschen Städten, die ihnen gehören, sind genauso eingestellt wie vor 20 Jahren. Und wo sind die Ladestationen für E-Autos?

Wo es in Deutschland eine besondere Schieflage gibt, das ist die mangelnde Konzentration auf den Endverbraucher. Vieles wird mit einem Ingenieurgeist entwickelt, aber ob und wie der Bürger es braucht, ist zweitrangig. Top-Down-Entwicklung ist die Regel, Benutzerfreundlichkeit die Ausnahme. Die Verfahren sind widerspenstig und werden von den rechtliche Rahmenbedingungen erschwert. Innovation ist dann nicht einfach.

Widerspenstiger Innovationsmotor

Die Niederlande sind „what you see is what you get“ (und manchmal auch weniger, wir können uns gut verkaufen….). Benutzerfreundlichkeit steht bei uns an erster Stelle. In Deutschland und auch in Berlin, wo ich lebe, gibt es oft ganz unterschiedliche Realitäten, die parallel nebeneinander existieren. Die Realität des Innovatinsmotors Deutschland ist widerspenstig.

Es gibt das Klischee von Deutschland als Industrienation mit einer mächtigen Lobby, die ihr Geschäftsmodell so lange wie möglich aufrechterhalten will, wie in der Automobilindustrie beim Verbrennungsmotor. Die Autoindustrie war wirtschaftlich ziemlich erfolgreich und hat viele Menschen beschäftigt. Davon lässt sich die Politik leiten. Unter dem Druck der mächtigen Lobbys können sie nicht die Innovationen durchsetzen, die deutsche Städte brauchen. Das neue Klimapaket der Bundesregierung geht nach Ansicht vieler nicht weit genug.

Mut und Kreativität

Natürlich funktioniert vieles ganz gut, aber mangelnder Mut und mangelnde Kreativität behindern Deutschland im Bereich der Innovation. Der Wille ist da, aber oft setzt er sich nicht durch. Das ist, was die Niederländer Deutschland für eine erfolgreiche Zusammenarbeit anbieten können: mit Verständnis für die deutsche Angst zu übergreifenden benutzerfreundlichen Lösungen zu gelangen. Ob in der Elektromobilität, in der Verwaltung oder im Gesundheitswesen. Viel weniger behindert von der „Juristerei“ und ohne Sehnsucht nach dem Primat der Industrie, können die Niederländer in Deutschland Lösungen finden, die der deutschen Gesellschaft und dem Leben ihrer Bewohner tatsächlich helfen voranzukommen.

Vergessen wir nicht: Deutschland ist voll von Selbständigen, Kleinunternehmen, Designern, Start-ups und vor allem Bewohnern, die eine niederländische Mentalität bei der Bewältigung sozialer Herausforderungen als wünschenswert erachten. Sie sind bestrebt, mit den Niederländern zusammenzuarbeiten.

Gemeinsam Weltmeister

Die Regierung kann in Deutschland Schritte in diese Richtung unternehmen, wenn sie nicht zurückbleiben will. Die Niederländer können einen Schub in die richtige Richtung geben. Mark Rutte, der niederländische Ministerpräsident, und Angela Merkel haben angedeutet, dass beide Länder im Bereich Nachhaltigkeit enger zusammenarbeiten werden. Das soll ein guter Anfang sein, um gemeinsam Weltmeister zu werden und eine Krise zu vermeiden.

Über diese Kolumne:

In einer wöchentlichen Kolumne, die abwechselnd von Floris Beemster, Bert Overlack, Mary Fiers, Peter de Kock, Eveline van Zeeland, Lucien Engelen, Tessie Hartjes, Jan Wouters, Katleen Gabriels und Auke Hoekstra geschrieben wird, versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, manchmal ergänzt durch Gast-Blogger, arbeiten alle auf ihre Weise an Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Für ein besseres Morgen. Hier können Sie alle bisherigen Beiträge lesen.