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Der erste physikalische Quantencomputer Europas wird in Baden-Württemberg stehen. Die renommierte deutsche Forschungseinrichtung Fraunhofer-Gesellschaft hat am vergangenen Freitag ein Abkommen mit dem amerikanischen Computer-Giganten IBM geschlossen. Der Quantencomputer wird einen Platz im Rechenzentrum von IBM bei Stuttgart haben.

Unternehmen und Forschungseinrichtungen erhalten über das bundesweite Quantenforschungsnetzwerk des Fraunhofer-Kompetenznetzes Zugang zum Quantencomputer. Ziel ist es, die Technologie, Anwendungsszenarien und Algorithmen zu untersuchen und gleichzeitig Kompetenzentwicklung und Wettbewerbsvorteile für die lokale Wirtschaft und Wissenschaft zu generieren. Ziel dieses Netzwerks ist die Weiterentwicklung von Strategien zur Quantenberechnung.

Fraunhofer-Kompetenznetzwerk

Mehr als zehn Fraunhofer-Institute arbeiten derzeit in verschiedenen Bereichen an der Quantentechnologie. Bereits ab dem 1. April 2020 steht interessierten Unternehmen und Forschungseinrichtungen im US-amerikanischen IBM-Quantenrechenzentrum unter dem Dach des bundesweiten Fraunhofer-Kompetenznetzes die weltweit größte Anzahl von Quantencomputern zur Verfügung.

Das IBM-Quantenrechenzentrum besteht derzeit aus 15 Systemen und hat seinen Sitz im Bundesstaat New York. Die Zusammenarbeit folgt auf eine im letzten Jahr angekündigte Kooperation zwischen Forschungsinstituten und Industrie in Deutschland im Bereich des angewandten Quantencomputers. Die deutsche Bundesregierung hat bereits angekündigt, in den nächsten zwei Jahren fast eine Milliarde Euro in die Entwicklung der Quantentechnologie von der Grundlagenforschung bis zur marktreifen Anwendung zu investieren.

Suche nach konkreten Anwendungen

“Eine zentrale Forschungsfrage ist, welche konkreten Anwendungsszenarien sich zum Rechnen mit einem Quantencomputer eignen, wie Algorithmen dafür entwickelt und in einfache Anwendungen umgesetzt werden können. Das Quantencomputing hat das Potenzial, komplexe Systeme in Wirtschaft und Industrie zu analysieren, molekulare und chemische Wechselwirkungen zu entschlüsseln, komplizierte Optimierungsprobleme zu lösen und die künstliche Intelligenz deutlich leistungsfähiger zu machen”, erklärt Fraunhofer-Präsident Prof. Reimund Neugebauer.

“Solche Fortschritte können die Tür zu neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen und enormen Entwicklungen öffnen, zum Beispiel in den Bereichen Lieferketten, Logistik und Finanzdatenmodellierung sowie bei Problemen aus dem klassischen Ingenieurwesen. “Dieses Abkommen bietet eine neue Chance für Europa, bei der Weiterentwicklung einer vielversprechenden Technologie eine Vorreiterrolle zu übernehmen, wobei Deutschland eine führende Rolle bei der Entwicklung des wissenschaftlichen, akademischen, öffentlichen und privaten Ökosystems spielt, das versucht, komplexe Probleme wie Klimawandel und Gesundheitsfragen zu lösen. Ein bedeutsamer Meilenstein für unsere Region”, sagte Martin Jetter, Senior Vice President & Chairman IBM Europa.

Unterstützung für den Forschungsstandort Deutschland

“Die Installation des ersten physikalischen Quantencomputers auf europäischem Boden ist ein starkes Signal zur Unterstützung des Forschungsstandortes Deutschland. Es ist ein wichtiger Schritt zu einem international anerkannten Ökosystem im Bereich der Quantentechnologie”, sagt Helge Braun im Namen der Bundesregierung.

Der baden-württembergische Ministerpräsident Winfried Kretschmann geht davon aus, dass Deutschland im Allgemeinen und Baden-Württemberg im Besonderen zum Zentrum der Quantentechnologie in Europa wird. “Der Quantencomputer versetzt uns in eine starke Position, um die Schlüsseltechnologien der Zukunft frühzeitig und entscheidend mitzugestalten. Dies wird sowohl der Industrie als auch der Wissenschaft ein enormes Forschungs- und Erfahrungspotenzial in den Bereichen Verkehr, Werkzeugmaschinen, Kommunikation, Gesundheitswesen sowie im Finanz- und Energiesektor bieten”.

Arbeiten mit dem Quantencomputer über die Cloud

Im Jahr 2016 war IBM das erste Unternehmen, das weltweit Quantencomputer über eine Cloud zugänglich machte. Eine aktive Gemeinschaft von mehr als 200.000 Nutzern führte Hunderte von Milliarden von Ausführungen auf echter IBM Quantum-Hardware durch und veröffentlichte mehr als 200 Studien, die auf diesen Experimenten basierten. IBM ist auch das erste Unternehmen, das kommerzielle Kunden über das IBM Q Network hat, eine Gemeinschaft von mehr als 100 Unternehmen, Start-ups, Forschungslabors, Bildungseinrichtungen und Regierungen, die mit IBM zusammenarbeiten, um das Quantencomputing zu fördern.

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Über den Autor

Author profile picture Arnoud Cornelissen schreibt schon seit Jahren u.a. in verschiedenen niederländischen Zeitungen über Wissenschaft und Technologie.