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In einer erfolgsorientierten Gesellschaft neigen wir dazu, uns erfolgreiche Menschen als Vorbilder zu nehmen. In dem wir das nachahmen, was diese Menschen erfolgreich macht und auf unsere Persönlichkeit und unseren Arbeitsstil adaptieren, so die dahinterliegende Vorstellung, glauben wir ähnlich erfolgreich werden zu können.

Auf der anderen Seite gibt es eine Gruppe von sogenannten Motivationsexperten, die uns mit Aussagen wie erfolgreich, kompetent oder glücklich Scheitern glauben machen wollen, dass man nur durch Fehlererfahrungen und Scheitern richtig lernen kann. Nach dem Prinzip Trial & Error würden wir, wie Kinder, am besten durch Ausprobieren lernen.

Misserfolge und Fehler demotivieren

Eine aktuelle Studie von Laureen Eskreis-Winkler, Booth School of Business, und Ayelet Fishbach, University of Chicago *), kommt zu dem Ergebnis, dass wir am besten aus unseren eigenen Erfolgen lernen; und aus den Fehlern und auch Erfolgen anderer. Aus unseren eigenen Fehlern lernen wir, entsprechend den Ergebnissen der Studie, nur sehr schlecht. Als Grund hierfür nennen die beiden Autorinnen, dass Fehler- und Scheitererfahrungen unser Ego und damit unser Selbstwertgefühl und unser Selbstvertrauen angreifen und damit unsere Motivation aus einer solchen Erfahrung lernen zu wollen. Misserfolge und Fehler demotivieren uns. Dafür hätte es keine wissenschaftliche Untersuchung gebraucht.
Die Ergebnisse von Eskreis-Winkler und Fishbach zeigen deutlich auf, dass wir nicht nur aus den eigenen Erfolgen und den Erfolgen anderer lernen, sondern gleichermaßen auch aus den Fehlern anderer. Für die Führung von Mitarbeitern und Teams lassen sich hieraus interessante Anregungen ableiten: Einerseits sollten Führungskräfte ein eigenes Interesse daran haben, dass MitarbeiterInnen Erfolge haben können, um motiviert zu sein. Und sie sollten Formate schaffen, in denen diese über ihre Erfolge berichten können. Dies tut einerseits der eigenen Motivation gut; andererseits erlaubt dies anderen KollegInnen aus diesen Erfolgen mit zu lernen.

Zwei Seiten derselben Medaille

Da Erfolg und Fehler bzw. Scheitern zwei Seiten derselben Medaille sind, können wir nicht so tun, als würde es die andere Seite nicht geben. Einen Fehler zu erkennen bzw. Sich ein Scheitern eingestehen zu müssen fällt schwer. Oft haben Betroffene Angst vor den Reaktionen des Chefs oder der Kollegen und befürchten Nachteile, wie z.B. schlechtere Aufstiegschancen, und versuchen so wenig wie möglich Aufmerksamkeit zu erregen. Das führt zwar zur Entlastung des eigenen Egos, geht aber mit mehreren Nachteilen einher:
die Angst vor den Nachteilen wird nicht aufgelöst, sondern nur in eine Angst vor dem Entdeckt-Werden übertragen, die Bereitschaft und Fähigkeit aus dem Ereignis und der Erfahrung zu lernen ist sehr gering, und andere können ebenfalls nicht aus diesem Erfahrungen profitieren.

Was können diese Erkenntnisse für Führungskräfte und den Umgang mit Fehlern in Unternehmen bedeuten: Führungskräfte können sich die Erkenntnis, dass wir besser aus den Fehlern anderer lernen als aus den eigenen zu Nutze machen und Formate einführen, in denen Fehler und Scheitererfahrungen offen und gemeinsam reflektiert und Erkenntnisse daraus abgeleitet werden.

Wertschätzende Kultur

Dies setzt voraus, dass in Unternehmen, Abteilungen oder Teams eine wertschätzende Kultur herrscht, in der nicht nur Erfolge, sondern auch Fehler als Lernmöglichkeit gesehen werden. Wenn sich Führungskräfte und MitarbeiterInnen darauf verlassen können, dass sie keine Nachteile zu erwarten haben, sondern für ihre Offenheit und Ver-Antwortung wert-geschätzt werden, dann werden die negativen Auswirkungen auf das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen geringer ausfallen. Und je mehr Beteiligte über ihre Erfolge UND ihre Misserfolge berichten, desto geringer wird die Angst vor Konsequenzen, da klar wird, dass jeder sowohl Erfolge wie auch Misserfolge in seinem Leben hat. Das wiederum wird, um im Kontext des beschriebenen Artikels zu bleiben, die eigene Lernbereitschaft fördern und zu einer echten Vertrauens- und Lernkultur in Unternehmen beitragen.

*) Eskreis-Winkler & Fishbach, A. (2019) Not Learning from Failure – the Greatest Failure of All. DOI: 10.1177/0956797619881133

 

Über diese Kolumne:
In einer Kolumne, die abwechselnd von Bert Overlack, Mary Fiers, Floris Beemster, Peter de Kock, Eveline van Zeeland, Lucien Engelen, Tessie Hartjes, Jan Wouters, Katleen Gabriels und Auke Hoekstra geschrieben wird, versucht Innovation Origins herauszufinden, wie die Zukunft aussehen wird. Diese Kolumnisten, gelegentlich ergänzt durch Gast-Blogger, arbeiten alle auf ihre Weise an Lösungen für die Probleme unserer Zeit. Damit es morgen besser wird. Hier sind alle vorherigen Episoden.

 

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Über den Autor

Author profile picture Über 20 Jahre habe ich mein eigenes Unternehmen geführt, mit mehr als 270 Mitarbeitern an 5 Standorten in Europa Kunden in 43 Ländern beliefert, Unternehmensnachfolge, Internationalisierung und Expansion erlebt – aber auch Marktzusammenbruch, Insolvenz und Neuaufbau gemeistert. Als Unternehmer kenne ich Spitzenzeiten wie auch Existenzängste. Heute berate und begleite ich zum einen Unternehmer, die momentan ähnliches erleben wie ich damals. Aber ebenso bin ich ebenbürtiger Ansprechpartner für Unternehmer, die schon erfolgreich sind und strategisch noch weiter an ihrem Erfolg und dem ihres Unternehmens feilen möchten. Familiengeführte Unternehmen und ihre Führungskräfte sind meine Welt. Für diese bin ich Sparringspartner in allen Belangen ihrer Unternehmerrolle. Als Scout richte ich den Fokus auf das, was im Markt passiert, was ich dort sehe und wahrnehme und für meine Kunden interessant sein könnte. Und all das immer mit praxisrelevanten, wissenschaftlichen Erkenntnissen gefüttert, die ich mit meiner Erfahrung und meinem Know-how reflektiere.