Laut Wissenschaftler der TU Eindhoven könnte Strom produziert werden ohne die Umwelt zu belasten. Dazu haben sie bei ihren Testreihen anstatt des fossilen Brennstoffs Erdgas feines Eisenpulver zur Wärmeerzeugung verwendet. Kommen die Körnchen mit Luft in Berührung oxidieren sie schlagartig und hohe Temperaturen entstehen.
Die Vorteile: Durch die Verbrennung des Eisenpulvers entsteht kein Kohlendioxid, sondern Rost. Dieser lässt sich recyceln und wird wieder zu Eisen umwandeln. Dazu muss er mit Wasserstoff behandelt werden, der durch Elektrolyse gewonnen wird.

Eisen wird verbrannt im Eisenbrenner
Eisenpulver-Brenner, der vom Team Solid von der TU Eindhoven zur Wärmeerzeugung entwickelt wurde. Foto: Bart van Overbeeke, tue.nl

Erster Prototyp

Damit der gesamte Herstellungsprozess umweltfreundlich ist, müsste der benötigte Strom aus klimaneutralen Quellen wie etwa Sonne- oder Windkraft stammen. Mit einem ersten Prototyp zeigen die Wissenschaftler der TU Eindhoven, die sich zum Team Solid zusammengeschlossen haben, wie auf Basis von Eisenverbrennung Strom entsteht. Das brennende Eisen erhitzt Wasser, wodurch ein Stirling-Motor angetrieben wird. Ein Stirling-Motor ist eine hermetisch abgeschlossene Wärmekraftmaschine. Die von außen zugeführte Energie wird in einem abgeschlossenen Zylinder erhitzt und in einem anderen gekühlt. Da der Stirling-Motor mit einem Generator gekoppelt ist, wird Strom erzeugt. Laut Team Solid hat die Anlage eine Leistung von 20 Kilowatt.

Anmerkung der Redaktion: Mit einer Kilowattstunde kann ein Gerät mit einer Leistung von einem Kilowatt (das entspricht 1000 Watt) eine Stunde lang betrieben werden. Mit einem Kilowatt lässt sich beispielsweise ein Notebook 50 Stunden lang betreiben, bei einer Leistung von 20 Watt.

Auch wenn der Prototyp noch keine hohe Leistung aufweist, steckt in der Erfindung des Studententeam der TU Eindhoven viel Potenzial: Nicht nur, dass laut eigener Aussage damit ein Beitrag zur umweltfreundlichen Energieversorgung geleistet werden kann. Sondern Eisen gehört zu den am weitesten verbreiteten Elementen auf der Erde. Die Ressourcen sind also ausreichend verfügbar. Auch die Umwandlung von Rost in Eisen ist eine etablierte Technik – genauso wie Eisenpulver herzustellen. Es sind demnach keine aufwändigen Verfahren notwendig.

Noch gehen die Studenten davon aus, dass jedoch die Kosten deutlich höher sind, als die bei der Nutzung von Erdgas. Würden aber dem Team Solid zufolge die Senkung der Kohlendioxidemissionen auf Null zusätzlich bewertet, könnte die Eisenverbrennung günstiger sein.

Partner gesucht

Um ihre Entwicklung weiter voranzutreiben, halten die niederländischen Studenten nach einem Industriepartner Ausschau. Das Ziel: Eine 100 Kilowatt-Anlage zu bauen. Da die von ihnen zur Stromgewinnung eingesetzte Technik keine hochkomplexe Technik benötigt, könnten ohne größeren Aufwand auch großtechnische Anlagen zur Eisenverbrennung gebaut werden. Sie ließen sich mit konventionellen Turbogeneratoren bestücken, die Dampf in Strom umwandeln.

Die Entwicklung der Studenten ist deswegen interessant, da sich die Erdgasvorkommen erschöpfen. Experten reden von einer Zeitspanne von etwa 60 bis 160 Jahren. Zudem hat im März dieses Jahres  die niederländische Regierung beschlossen, die Erdgas-Produktion in der Region Groningen bis 2022 zu halbieren und bis 2030 komplett einzustellen. Es ist eines der größten Erdgasfelder Europas. Aber die Menschen, die dort leben, leiden seit Jahren unter ständigen Erdbeben. Dafür verantwortlich gemacht, wird die Gasförderung.

 

Foto: Pixabay

 

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Über den Autor

Author profile picture Christiane Manow-Le Ruyet ist Journalistin. Stets neugierig und immer bereit Neues zu erfahren. Neben IT und Architektur ist sie auch in den Bereichen Nachhaltigkeit und Food zu Hause. Und wenn sie mal nicht schreibt, zeichnet sie. Am liebsten Sketchnotes. Das ist ihr zweites Steckpferd - als ausgebildete Innenarchitektin vielleicht auch kein Wunder.